Cloud first heißt nicht Cloud only

14 .06 .2019

Cloud first heißt nicht Cloud only

Viele Unternehmen haben heute nicht nur eine IT-Strategie, sondern auch eine dedizierte Cloud-Strategie, zum Beispiel „Cloud first“.

Grundsätzlich stellt sich die Frage: Werden zukünftig alle Prozesse in die Cloud wandern? Und mit Cloud ist hier die Multimandanten-Public Cloud gemeint und nicht etwa die individual gehostete Software in der Private Cloud.

Vorteile der Public Cloud

Um sich dieser Frage zu nähern, macht es Sinn, die Vorteile der Public Cloud-Anwendungen näher zu betrachten:

  • Einfach und intuitiv: Cloud-Services können die Komplexität einer Lösung für den Anwender reduzieren. Immer mehr wird von Nutzern im Business die gleiche User Experience erwartet wie im privaten Bereich, ohne dabei Funktionalität zu verlieren.
  • Verfügbar: Von Business-Anwendungen wird heute eine ständige, standortunabhängige Verfügbarkeit erwartet. Cloud-Services können diese quasi auf Knopfdruck liefern.
  • Skalierbar: Cloud-Lösungen wachsen mit den Anforderungen des Kunden – und das, ohne jedes Mal ein Resizing der Hardware vorzunehmen oder gar aufwendige Migrationsszenarien in die Wege zu leiten.
  • Schnell und performant: Nutzer erwarten heute auch, jederzeit bei gleichbleibender Performance auf ihre Anwendungen zugreifen zu können. Cloud-Services ermöglichen dies durch ihre Architektur.
  • Innovativ: Cloud-Lösungen sind immer auf dem technologisch aktuellen Stand. Mühsame Update-Szenarien gehören damit der Vergangenheit an. Durch Mechanismen wie „continious delivery“ und „continious deployment“ fließen Features und Technologien zeitnah und automatisch in die Software ein und stehen sofort allen Nutzern zur Verfügung.

Hybride Szenarien...

Genau diese Vorteile sprechen nicht für monolithische Gesamtlösungen, sondern für eine schlanke und effiziente Microservice-Architektur und insbesondere für den Einsatz hybrider Szenarien. So ist es durchaus sinnvoll, Kernsysteme für individuelle Anforderungen (z.B. im Bereich der Produktion oder branchenspezifischer Lösungen) on-premises einzusetzen, mit Erweiterungen um flexible Dienste aus der Cloud. Derartige Systeme können das Beste aus beiden Welten kombinieren. Hierbei sind natürlich standardisierte Schnittstellen besonders wichtig.

...im ERP-Umfeld

So empfiehlt die SAP AG z.B. einen 2-Tier-ERP-Ansatz: Klassisches On-Premises-ERP mit dem vollen Funktionsumfang für die Konzernzentrale und Cloud-ERP für Niederlassungen und Tochtergesellschaften, die kleiner sind. Damit können in den dezentralen Einheiten durch vereinfachte und standardisierte Prozesse IT-Kosten eingespart werden und aufwendige, teure Roll-Out-Szenarien entfallen. Weiterhin können in der Cloud Vorteile moderner Technologien, wie z.B. Machine Learning, AI oder RPA, mit hochspezifischen, branchenrelevanten Systemen verknüpft werden.

Fazit: Für viele Services und Funktionen macht es für Unternehmen Sinn, auf Angebote aus der Public Cloud zurückzugreifen. Gerade um aktuellen Technologien und Trends zeitnah folgen zu können, sind diese Services unabdingbar. Hierbei sollten Einfachheit und Skalierbarkeit im Vordergrund stehen.

Komplexe, individuelle Prozesse behalten aber auch zukünftig weiterhin ihre Bedeutung im Unternehmen – denn nicht alle Geschäftsprozesse lassen sich ohne größere Individualisierungen abbilden. Hybride Szenarien bieten an dieser Stelle die Lösung, „Cloud first“ sollte daher nicht „Cloud only“ heißen.

Matthias Lemenkühler

Von Matthias Lemenkühler

Matthias Lemenkühler gehört seit 1997 zur WMD und leitet seit 2003 die Geschäfte. In seinen Blogbeiträgen berichtet er über die strategische Ausrichtung der WMD sowie aktuelle Technologietrends zur Digitalisierung und Automatisierung von Geschäftsprozessen.