Brownfield oder Greenfield? Alle Wege führen zu S/4HANA

05 .04 .2019

Brownfield oder Greenfield?

SAP S/4HANA ist in aller Munde und überall wird mit der neuen Technologie geworben, die den Nutzer in Gänze unterstützen sollen. Zusätzlich entsteht Druck durch die Beendigung der Mainstream-Wartung für SAP ERP 6.0 und die SAP Business Suite 7, die auf das Ende 2025 datiert wurde. Nun steht für viele SAP-Nutzer fest, dass die alte SAP-Umgebung in naher Zukunft auf S/4HANA migriert werden muss. Wie sollen jedoch die Alt-Daten migriert werden? Welche Möglichkeiten der Migration bestehen mit der aktuellen SAP-Umgebung? Was ist der Unterschied von Green- und Brownfield und gibt es noch weitere Möglichkeiten? In diesem Blog-Artikel versuchen wir die gängigsten Verfahren und deren Herausforderungen darzustellen.

Was ist meine Ausgangssituation?

Zu Beginn einer S/4HANA-Migration steht immer die Analyse des aktuellen Systems. Erst mit Feststellung der Ausgangssituation, können die weiteren Prozessschritte geplant werden. In der Analyse sollten sämtliche Funktionen betrachtet werden, die im Moment genutzt werden. Nutzt das Unternehmen vielleicht viele Eigenentwicklungen, die durch SAP S/4HANA-Technologien obsolet werden? Könnten weitere Prozesse, z.B. in Finanzbuchhaltung oder Einkauf, durch die neue Technologie verschlankt werden?

In Anbetracht des aktuellen SAP-Systems sind unter Umständen auch nur bestimmte Migrationsverfahren mit den gegebenen Mitteln überhaupt möglich. Am Ende der Analyse steht eine Zielfestlegung für das Projekt. Unabhängig davon, wie die Daten migriert werden, sollten in jedem Fall die Stammdaten und Prozesse bereinigt werden.

Weg 1 – Neustart in Richtung Standard

Ein neues ERP-System kann auch ein Schritt in Richtung Standardprozesse implizieren. Der Greenfield-Ansatz beruht auf einer Neuimplementierung von SAP S/4HANA. Das neu aufgesetzte SAP S/4HANA-System enthält zu Beginn nur eine Grundanpassung, alles Weitere muss während des Projektes entsprechend der Kundenanforderungen eingestellt werden. Die „grüne Wiese“ bietet gerade bei veralteten SAP-Systemen die Möglichkeit, sich von Altlasten zu befreien und ist bei einigen Systemumgebungen das einzig probate Mittel für eine Migration.

Eine Neuimplementierung kann dazu dienen, die eigenen Geschäftsprozesse zu überdenken und Standardprozesse zu adaptieren. In diesem Zuge sollte auch über die Notwendigkeit sämtlicher vorhandener Individualprogrammierungen und Z-Transaktionen diskutiert werden und ob diese nicht durch schmalere Prozesse innerhalb von zum Beispiel SAP Fiori abgebildet werden können.

Weg 2 – Upgrade an Stelle einer Migration

Ein kompletter Neustart ist jedoch nicht immer notwendig bzw. der richtige Weg. Im Zuge einer Migration besteht auch die Möglichkeit einen sogenannten Brownfield-Ansatz zu verfolgen. Bei diesem stellt das bestehende SAP-System die Basis für die weitere Migration dar. Auch wenn das existierende System bestehen bleibt, ist hier nicht die Rede von einem Upgrade, da das zukünftige System einer anderen Produktfamilie angehört. Dieses Migrationsverfahren wird häufig bei Unternehmen eingesetzt, die zum einen aktuellere SAP-Systeme im Einsatz haben und zum anderen die Prozesse intern schon angepasst und vereinfacht haben. Diese Voraussetzungen ermöglichen eine auf den ersten Blick leichter erscheinende Migration in Richtung S/4HANA. Häufig stellt sich jedoch im Projekt heraus, dass eine Brownfield-Migration aufwändiger ist als ursprünglich angenommen.

Die Vorbereitungen für die Migration ähneln denen des Greenfield-Ansatzes. Es sollten Datenbereinigungen und Analysen des Quellsystems vorgenommen werden. Zur weiteren Vorbereitung stellt die SAP Tools zur Verfügung, um im Vorlauf die Systeme für die Migration zu prüfen. Hierbei wird das System und deren Code auf Kompatibilität geprüft.

Weg 3 – Transformation der Systemlandschaft

Als ein dritter Weg zu S/4HANA bietet sich die Transformation der Systemlandschaft an. Bei diesem Szenario werden SAP-ERP-Systeme, die innerhalb von Unternehmen räumlich voneinander getrennt sind, in ein gemeinsames S/4HANA-System überführt. Die Umsetzung des Updates greift auf die vorangegangenen Verfahren zurück. Ein Grund für diese Entscheidung sind die neuen Technologien, die S/4HANA zur Verfügung stellt. Für S/4HANA ist es auf Grundlage neuer Komprimierungsalgorithmen und einer stark verbesserten Geschwindigkeit möglich, große Datenmengen zu verarbeiten. Dadurch können die Replikationen von Daten auf unterschiedlichen SAP-Systemen entfernt werden.

Alle Wege führen zu S/4HANA

Bei einer S/4HANA-Migration gibt es nicht den richtigen oder falschen Weg. Die Ausgangslage ist bei jedem Unternehmen sehr unterschiedlich und auch die Erfahrungswerte mit einer Migration weichen voneinander ab. Die einen Experten behaupten, nur der Greenfield-Ansatz könne zu einem guten S/4HANA-System verhelfen. Dies ist aber nicht zwingend der Fall, wenn schon genügend Vorarbeiten am SAP-System durchgeführt wurden. Deshalb überwiegt auch der Wunsch bei vielen Unternehmen, den Brownfield-Ansatz zu verfolgen. S/4HANA benötigt eine ausreichend hohe Rechenleistung, um so performant arbeiten zu können wie erhofft. Im Zuge der Umstellung kann daher die Einbindung von Cloud-Diensten sinnvoll sein, die sehr hohe Performance, Verfügbarkeit und Skalierbarkeit quasi auf Knopfdruck liefern können. Hier bieten SAP und andere Rechenzentren unterschiedliche Varianten an, um z. B. die Infrastruktur in die Cloud auszulagern.

Im Vordergrund einer Migration sollte nicht der Aufwand stehen, sondern die Möglichkeit, dadurch die eigenen Prozesse neu überdenken zu können, um damit weiter einen Schritt in Richtung Standard zu gehen. Mit einer ausreichenden Vorbereitung und Strukturierung ist auch dieses Ziel umsetzbar.

In unserem Webinar „Geschäftsprozesse optimieren mit SAP S/4HANA“ mit unserem Partner der QSC AG haben wir uns auch mit dem Thema Migrationsstrategien und -prozesse beschäftigt. Hier können Sie die Aufzeichnung des Webinars ansehen:

 

 

Themen:  SAP | S/4HANA

Jan Schulze

Von Jan Schulze

Jan Schulze ist bei der WMD Group verantwortlich für das Produktmanagement der SAP Komponenten. Seit mehreren Jahren beschäftigt er sich eingehend mit neuen SAP Technologien.